Ausbildungskonzept

Um all unseren Lehrlingen die beste Ausbildung zu ermöglichen, und um den hohen Anforderungen eines Facharbeiters (Technikers) gerecht zu werden, setzen wir auf die triale Ausbildung.

Das heißt, zusätzlich zur praktischen Ausbildung und Berufsschule findet einmal wöchentlich theoretischer Unterricht, wie Mathematik, Fachzeichnen, Fachkunde, fachspezifische Kurse, wie CNC, Hydraulik, Pneumatik, etc. statt.

Darüber hinaus sehen wir – zur theoretischen und fachlichen Ausbildung – unsere Aufgaben in der Motivation und der Stärkung von sozialen Kompetenzen unserer Lehrlinge. Dazu ist Teamarbeit und das Führen von Gruppengesprächen von essentieller Bedeutung. Mit diesem Instrument geben wir unseren Lehrlingen aber auch die Möglichkeit laufend Verbesserungsvorschläge, z.B. in puncto Arbeitssicherheit, Umwelt oder Energieeinsparung zu generieren.

Um den hohen Qualitätsstandard zu halten, wird für jeden Lehrling, ab dem Beginn der Lehrzeit, eine Ausbildungskarte geführt. In diese Karte werden Leistungsfortschritte, absolvierte Kurse, Benotungen und die verschiedene Betriebseinsatzdauer festgehalten. Bei Lernschwächen bzw. diversen Problemen, während der Ausbildung, findet ein Gespräch mit Ausbilder, Lehrling, Betriebsrat und den Eltern statt.

Bereits am ersten Arbeitstag werden die neuen Lehrlinge vom technischen Geschäftsführer, vom Personalchef und vom Leiter des Ausbildungszentrums begrüßt. Nach einer Vorstellrunde aller Ausbilder, des Jugendvertrauensrates und des Arbeiterbetriebsratsvorsitzenden wird der Ausbildungsbetrieb besichtigt und die persönliche Schutzausrüstung übergeben.

Weiters erhalten unsere Lehrlinge ausführliche Informationen zu unseren betrieblichen Abläufen und den sonstigen Themen wie zB. Gesundheitsförderung, Umwelt, zu unserem Sportprogramm und allgemeinen Richtlinien.

Fairer und regel konformer Umgang mit Geschäftspartnern und Mitarbeitenden ist innerhalb des voestalpine Konzerns von zentraler Bedeutung, deswegen werden unsere Lehrlinge auch zu Compliance Themen geschult.

Es ist uns ein großes Anliegen, den Kontakt zu den Eltern von Beginn an herzustellen, um sie über den Leistungsstand ihrer Schützlinge zu informieren.

Gerade am Beginn der Lehrzeit ist es wichtig, die Eltern im Boot zu haben, damit der Übergang von Pflichtschule in das Berufsleben problemlos erfolgen kann. Daher veranstalten wir zur Mitte der Probezeit einen Elterninformationsnachmittag, in unserer eigens dafür umgestalteten Werkstätte. Sie wird durch den Aufbau einer Bühne und der Installation von einer Großleinwand, Beamer sowie einer Funksprechanlage zu einer multimedialen Eventwerkstatt.

Diese Veranstaltung beginnt mit einem kurzen Imagevideo über unser Unternehmen und einer Begrüßung des Ausbildungsleiters. Darauf  erfolgt eine Vorstellung unserer Ausbilder und ihrer Zuständigkeitsbereiche. Des Weiteren gibt es einen  Vortrag unseres Personalchefs über die Vorzüge unseres Unternehmens, sowie einer Ansprache des Arbeiterbetriebsrats-vorsitzenden.

Den Rest des Nachmittages widmen wir dem Informationsaustausch zwischen Ausbilder und Eltern, wobei sie mittels des „Beurteilungsbogens während der Probezeit“, Auskunft über den derzeitigen Leistungsstand,  sowie Ordnung, Pünktlichkeit, Selbstständigkeit, etc. bekommen.

Zudem bieten wir unseren Lehrlingen die Gelegenheit bei einer Informationsveranstaltung ihren Eltern, Großeltern und Freunden den Arbeitsplatz, sowie die selbstgefertigten Werkstücke zu präsentieren.

Für das Erlernen der Grundfertigkeiten in der Metallbearbeitung müssen die Lehrlinge je nach Ausbildungsberuf bis zu 21 Arbeiten herstellen. Bei diesen Werkstücken werden Fertigkeiten wie meißeln, sägen, feilen, bohren, biegen, nieten oder Gewinde schneiden etc. trainiert. Die Lehrarbeiten sind aufbauend und machen die Lehrlinge mit dem Werkstoff Metall vertraut.

Bei diesen Arbeiten steht die Einhaltung der Qualitätskriterien im Vordergrund. Manch ein Lehrling macht eine Lehrarbeit auch mehrmals bis diese stimmt.

Beispiele von Lehrarbeiten des 1. Lehrjahres:

  • Feilen am U-Stahl
  • Hämmern von Flachstahl
  • Sägen am U-Stahl
  • Bohrplatte und Gewindebolzen
  • Meißeln und Schaben
  • Nietverbindung
  • Stempelübung
  • Flachwinkel
  • Anschlagwinkel

Mit dem KVP – kontinuierlicher Verbesserungsprozess – besteht in unserem Unternehmen die Möglichkeit für jeden Mitarbeitenden, Verbesserungsvorschläge bezüglich Steigerung der Produktivität, Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitssicherheit, Umwelt, Energieeinsparung, etc. einzureichen.

Für die Lehrlinge gibt es eine eigens eingerichtete Ideenbörse, wo der Lehrling mit Unterstützung der Ausbilder seine Ideen einbringen kann.

Für einen eingebrachten und umgesetzten Vorschlag erhält der Lehrling eine Prämie. Die Lehrlinge sehen dies als zusätzliche Motivation, und können sich dadurch ihr Lehrlingsgehalt aufbessern.

Einmal im Jahr werden aus allen Verbesserungsvorschlägen in unserem Unternehmen die Besten aus 3 Kategorien prämiert.

Die voestalpine Böhler Edelstahl gehört der High Performance Metals Division des voestalpine-Konzerns an. Die Sieger jedes Unternehmens nehmen wiederum an der divisionsweiten Prämierung (CIP-Award) teil.

CNC-Kurs (Computerized Numerical Control)

In der heutigen Zeit ist die Automatisierungstechnik aus den Betrieben nicht mehr wegzudenken. Deshalb ist das Programmieren von computer-numerisch gesteuerten Maschinen und Anlagen für Metalltechnikberufe unerlässlich. Durch den Einsatz von CNC-Steuerungstechnik sind wir in der Lage, Werkstücke mit hoher Präzision und komplexen Formen automatisch herzustellen. Aber die teuerste und beste programmierbare Maschine bzw. Anlage ist nur so gut, wie ihr Programmierer. Daher bieten wir eine professionelle CNC-Ausbildung, welche für das richtige Programmieren an modern gesteuerten Industriemaschinen, sowie für das sichere Bedienen, und eine reibungslose Produktion unerlässlich ist.

 

Hydraulik, Pneumatik und E-Pneumatik

Systemtechnologien wie Hydraulik, Pneumatik, Elektrik/Elektronik stehen als Mittel zur Leistungsübertragung im Wettbewerb zueinander, ergänzen sich aber auch gegenseitig und werden miteinander kombiniert. In unserem Leben und speziell in der Technik sehen wir uns täglich mit diesen drei Aufgabengebieten konfrontiert, ohne uns darüber bewusst zu sein. Mit den Grundlagenkursen wollen wir den Lehrlingen vermitteln, dass Hydraulik, Pneumatik und Elektrotechnik unser Leben mitbestimmen, unter anderem in der Industrie, der Medizin und sogar im eigenen Haushalt.

Um ihnen dieses Wissen näher zu bringen, lassen wir die Auszubildenden mit computerunterstützten Programmen Schaltpläne entwerfen, um diese dann praktisch am Übungsstand zu simulieren. Das heißt, die Lehrlinge erlernen die Funktion und Bauweise der einzelnen Komponenten (Pumpen, Zylinder, Motoren, Ventile) kennen. Diese Simulationen sollen sie auf die Arbeit im Betrieb vorbereiten und unterstützen.

 

Maschinenelemente – Ausbildung

Mit unseren zukünftigen „Maschinendoktoren“ führen wir einen eigens zugeschnittenen Kurs durch, der ihnen ein systematisches Vorgehen bei Reparaturen und Servicearbeiten lehren soll.

Wir vermitteln Grundlagen der Mechanik, bauen Maschinenteile und verschiedenste Getriebearten zusammen, zerlegen diese und tauschen Einzelkomponenten, wie Lager, Dichtungen, etc. Unter Verwendung von Betriebsanleitungen, Zeichnungen und Stücklisten lassen wir die Lehrlinge auch Ersatzteilzeichnungen anfertigen.

So lernen sie das Lesen von Montagezeichnungen und die korrekte Montage- und Demontage kennen.

Damit legen wir einen wichtigen Grundstein für ihre fachliche und persönliche Reife im sorgsamen Umgang bei der Instandhaltung von Maschinen.

SPS-Kurs

Eine SPS ist eine speicherprogrammierbare Steuerung die auf digitaler Basis Anlagen und Maschinen steuert und regelt. In unserem Digitalisierungslabor im Ausbildungszentrum stehen Übungsgeräte mit aufgebauten Steuerungen und die TIA Portal Software zur Verfügung. In dieser Schulung werden die Grundfunktionen der SPS gelehrt, die Grundlagen der bool’schen Algebra angewandt und mittels Software in die Steuerung übertragen. Bei den fortgeschrittenen Kursen wird an MPS Stationen (modulare Produktionssystem) gearbeitet. Dieses Produktionssystem ist ein optimales Trainingsequipment für die reale Anwendung und Darstellung eines betrieblichen Automatisierungsprozesses. Damit werden die Lehrlinge bestens auf ihre bevorstehende Lehrabschlussprüfung und die Arbeitswelt vorbereitet.

Robotik-Kurs

Beim Robotik-Kurs werden den Lehrlingen die Grundlagen der Roboterprogrammierung auf eigenen Schulungszellen (Industrieroboter in Kleinformat) vermittelt. Diese umfassen verschiedene Aufgabenstellungen aus der Praxis und sie lernen dabei den Umgang mit dem Smart Pad (Bedienpanel). Beim Programmieren werden zusätzlich verschiedene Methoden zum Erstellen komplexer Bahnbewegungen gelernt. Ebenso werden ihnen die grundlegenden Funktionen eines Robotik-Systems sowie dessen Kinematik (6 Achsen) vermittelt. Dabei lernen sie auch das spezielle Zubehör wie Greifer und Werkzeuge etc. kennen und anzuwenden.

Digitale Lernfabrik

Um unseren Lehrlingen die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 näher zu bringen, wird für alle im 3. Lehrjahr ein Projekt mit der FH Technikum Wien veranstaltet, bei dem sie mit Unterstützung der Professoren eine selbst entwickelte Miniaturfabrik fertigen. Die Lehrlinge werden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt, die eigenständig ihre Aufgabenstellungen an den verschiedenen Stationen bewältigen. Beispielsweise baut und konfiguriert ein Team einen Roboter oder eine Produktionsstation, die 3-D-gedruckte Kunststoffteile von Metallschrauben und -muttern trennt. Das andere Team kümmert sich etwa um den Transport zum nächsten Bearbeitungsschritt. Insgesamt erlauben es die verfügbaren Materialien und Werkzeuge der FH Technikum Wien, kleine Robotersteuerungen zu entwickeln und aus 3-D-gedruckten Einzelkomponenten gefertigte Roboter inkl. der zugehörigen Greifer, Antriebe etc. zu bauen.

Projektarbeiten

Wir erhalten laufend Anfragen für die Fertigung verschiedener Projekte aus unseren Betrieben, aber auch von privaten Kunden. Diese können von Einzelteilen oder einzelnen Werkstücken, bis hin zu aufwendigen Komponenten im Anlagen- bzw. Maschinenbau reichen.

Die Lehrlinge werden je nach Fähigkeit und Lehrjahr in Projektgruppen eingeteilt, wobei ein Lehrling als Gruppensprecher (Projektleiter) fungiert. Mit Unterstützung des Ausbilders werden die Lehrlinge Skizzen und Zeichnungen erstellen und sich über die Machbarkeit, die Materialauswahl, sowie der Dimensionierung, der Verwendung von Normteilen und Richtlinien für die Fertigung Gedanken machen. Nach abgeschlossener Planung erfolgt die Umsetzung von Materialbestellung bis hin zur Fertigung.

Für uns ist es von besonderer Bedeutung unsere Lehrlinge auf eine zunehmend digitale und vernetzte Arbeitswelt vorzubereiten. Daher verfolgen wir bereits seit Jahren ein ambitioniertes Ausbildungsprogramm zum Thema „Industrie 4.0“. So ist neben einem 3D-Drucker zu Lehrzwecken auch ein eigener Schulungsroboter fixer Bestandteil der Ausbildung. Um die digitalen Kompetenzen unserer Lehrlinge zu fördern, erarbeiten unsere Lehrlinge in Zusammenarbeit mit Studenten der FH Technikum Wien eine digitale Miniaturfabrik.

Die Gesundheit unser Mitarbeiter liegt uns am Herzen, deswegen haben wir maßgeschneiderte Module für den Lehrplan unserer Lehrlinge entwickelt. Unsere Module reichen von Bewegung und Ernährung über einen individuellen Fitness-Check bis hin zu den Themen wie psychischer Gesundheit und Selbstwert. Um das Gesundheitsbewusstsein unserer Lehrlinge zu schärfen, werden die Lehrlinge an einem eigens konzipierten Gesundheitsprojekt teilnehmen. Uns ist es wichtig, dass wir die Eltern auch mit ins Boot holen, hierfür starten wir im September mit einem Elterninformationsnachmittag, an dem wir die Schwerpunkte des Projektes vorstellen.

Der Start unseres Gesundheitsprojektes beginnt mit einem 2-tägigen Kick-off-Seminar, das unter dem Motto „Zusammenarbeit stärken und Hauptsache gesund“ steht.

Ein weiteres Modul befasst sich mit dem Thema „Ernährung“. Die Zielsetzung ist, den Jugendlichen einen dogmatischen Zugang zum Thema Ernährung zu geben. Es werden einfache, nachvollziehbare Konzepte als Orientierungshilfe angeboten.

„Essen und Trinken ein lästiges Übel oder eine große Verantwortung?“ Natürlich dürfen Ernährungspyramide und Kalorienrechnungen als Bindeglied zwischen Ernährung und Bewegung nicht fehlen.

Als nächstes folgt ein „Body-Check“. Er bietet den Lehrlingen Gelegenheit, ihre Daten hinsichtlich Ausdauer, Größe-Gewichtsrelation und Gleichgewichtsfähigkeit mit altersspezifischen Sollwerten zu vergleichen.

Nach der Auswertung, im Zuge unseres Sportunterrichtes wird dieser von weiteren Modulblöcken, die Wissenswertes über unseren Haltungs- und Bewegungsapparat bringen, begleitet.

Wirbelsäulenschonendes Verhalten ist im Arbeitsalltag für eine dauerhafte Gesundheit von großer Wichtigkeit. In einem „Zuckerquiz“ erleben unsere Lehrlinge süße oder vielleicht auch bittere Erkenntnisse. Des Weiteren sind auch die psychische Gesundheit und das Selbstwertempfinden als zentrale Größe für eine Verbesserung der Lebensbalance maßgebend.
Schließlich sind das Themengebiete, die die Gesundheit vervollständigen und gerade im jugendlichen Alter von immenser Bedeutung sind.

Uns ist es wichtig, dass unsere Lehrlinge fit bleiben und deswegen bieten wir ihnen die Möglichkeit 1x in der Woche, in der Arbeitszeit, an einem Sportprogramm teilzunehmen. Dieses Sportprogramm wird von unseren eigens engagierten Trainerinnen, Frau Karin Blaser und Frau Sabrina Hölblinger, abgehalten. Neben Kraft- und Ausdauertraining werden auch die koordinativen Fähigkeiten gestärkt und das Teambuilding gefördert.

Wir möchten unsere Lehrlinge für Sport begeistern und sie dazu motivieren sich auch in ihrer Freizeit sportlich zu betätigen.

Ergänzend zum Sportunterricht gibt es für unsere Lehrlinge jedes Jahr eine Vielzahl von zusätzlichen Sportangeboten, die auch immer wieder mit großer Begeisterung angenommen werden. Ob Businesslauf, Eisstockschießen, Lehrlingssporttag oder Weihnachtsfußballturnier. Unsere Lehrlinge sind immer mit Leidenschaft dabei.

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